Ansichten eines Henkers

Text: Zeha Schröder (nach den Erinnerungen Albert Pierrepoints) - Produktionsleitung: Anke Winterhoff - Mit: Zeha Schröder - Ort: Zwinger (Promenade, Höhe Kanalstraße, Münster) - Dauer: ca. 80 Minuten - - Uraufführung: 24.09.2021
Dass Kinder ungewöhnliche Berufswünsche haben, ist wohl normal, und besonders gern werden just die Erwerbstätigkeiten mit nur wenigen freien Stellen favorisiert, also zum Beispiel Astronaut oder Papst. Aber dass ein Elfjähriger seinen Schulaufsatz mit dem Satz beginnt „Wenn ich einmal groß bin, möchte ich Henker werden“? Das kommt wohl doch eher selten vor, ganz zu schweigen von der Tatsache, dass der kleine Albert seinen Berufswunsch in die Tat umgesetzt hat.

Folglich stellen die Memoiren des letzten Chief Executioners von Großbritannien ein in jeder Hinsicht einzigartiges Zeitdokument dar. Albert Pierrepoint ist ein ungemein freundlicher, sanfter, sympathischer Gentleman, der in seinem Traumberuf einige hundert Menschen getötet hat. Mit staatlicher Erlaubnis, versteht sich.

Was geht in so einem Mann vor? Wie denkt er über das Leben, das Sterben, den Tod? Und warum legt er sein Amt als Oberster Henker des Staates plötzlich und unerwartet nieder? Zeha Schröder hat Mister Pierrepoints Lebenserinnerungen in ein Theaterstück umgewandelt, das es sich und dem Publikum nicht leicht macht. Wer aber bereit ist, moralische (Vor-)Urteile für einen Augenblick beiseitezulassen und einer zunächst unfassbaren Lebensbeichte erst einmal nur zuzuhören, hat am Ende des einstündigen Solos mit Sicherheit genügend Denk- und Gesprächsstoff für mehrere Abende.

Spielort für dieses ungewöhnliche Dokumentarstück ist der Zwinger an der Promenade, der als ehemalige Hinrichtungsstätte für das Thema wie geschaffen ist.