Stoccafisso - Odysseus auf den Lofoten

Text: Nicolò de Michiele & Pietro Querini (dt. von Zeha Schröder) - Regie: Anke Winterhoff - Mit: Zeha Schröder und Johan Schüling - Musik: Daniel Ableev - Ort: Fährschiff Solaaris, Aasee - Dauer: ca. 80 Minuten - Uraufführung: 11.06.2026

Was für ein Trip!

Im April 1431 belädt der junge venezianische Kaufmann Piero Querini sein Schiff auf Kreta mit Wein, Gewürzen und anderen Handelsgütern und setzt Segel in Richtung Flandern, wo er auf gute Geschäfte und satte Gewinne hofft.

Nach diversen Pannen und Verzögerungen erreicht das Schiff erst im November Nordfrankreich, wo es durch die einsetzenden Winterstürme vom Kurs Richtung Ärmelkanal abgebracht und nach einem Ruderbruch auf den offenen Antlantik hinausgetrieben wird. Mitte Dezember gibt die Mannschaft das manövrierunfähige Schiff verloren und rettet sich auf zwei Beiboote, von denen eines nie wieder gesehen wird.

Das andere schlingert orientierungslos zwischen Hebriden, Färöern und Shetlandinseln durch und erreicht am Dreikönigstag 1432 die winzige Insel Sandøya, einen Außenposten der Lofoten. Die überlebenden Bootsinsassen ernähren sich von Wasserschnecken und Napfmuscheln, die sie bei Minusgraden an der Küste sammeln, und werden schließlich Anfang Februar von Fischern der Nachbarinsel Røst entdeckt und gerettet.

Mitte Mai sind die Matrosen schließlich so weit bei Kräften, dass sie die Heimreise nach Venedig antreten können, wo Kapitän und Schiffsschreiber dem Senat zwei Berichte über ihre Irrfahrt vorlegen, die glücklicherweise bis heute erhalten sind - aber noch nie ins Deutsche übersetzt wurden.

Unser neues Dokumentarstück holt dieses Versäumnis nach und lässt die Seeleute im sechshundert Jahre alten O-Ton ihre Odyssee schildern. Zeha Schröder (als Kapitän) und Johan Schüling (als Schreiber) nehmen ihr Publikum an Bord der Aaseefähre Solaaris auf eine Reise mit, die um einiges existenzieller und furchteinflößender verläuft, als es auf Münsters Freizeitpfütze üblich ist. Sie berichten von haushohen Wellen, Sabotage am Ankertau, den Wonnen des Schneefressens - und von dem seltsamen norwegischen Brauch, Fische auf Holzgestelle zu spannen, bis sie hart und trocken sind wie Stöcke: stoccafisso…