Belfeghùr

Text und Regie: Zeha Schröder - Musik: Daniel Ableev - mit: Kascha B, Gabriele Brüning, Konrad Haller, Helge Salnikau, Zeha Schröder, Johan Schüling und Anke Winterhoff - Ort: LWL-Museum für Kunst und Kultur (Domplatz 10, Münster) - Dauer: ca. 2 Stunden - Uraufführung: 14.10.2014

Der französische Staatspräsident Charles de Gaulle, so wird erzählt, hat Kabinettssitzungen verlegt, um nur ja keine Folge zu verpassen. Auch in Deutschland war die Serie ein buchstäblicher Straßenfeger. Und selbst auf heutige Betrachter übt die Geschichte immer noch große Faszination aus. Keine Frage: "Belphégor, le Fantôme du Louvre" ist Kult!

Deshalb waren wir ganz aus dem Häuschen, als das LWL-Museum für Kunst und Kultur uns vorschlug, den spektakulären Neubau am Domplatz mit einer zeitgenössischen Variante des Stoffs gewissermaßen einzuweihen. Seit dem Sommer 2013 arbeiten wir jetzt an dem Projekt. Theaterleiter Zeha Schröder hat eine Bühnenfassung erarbeitet, die das Geschehen konsequent ins Hier und Jetzt verfrachtet. Ein siebenköpfiges, hochkarätiges Ensemble bürgt für schauspielerische Qualität und augenzwinkernde Spielfreude. Und das neue Museum als Spielort wird bis in die letzten Winkel ausgelotet, Technikräume und Lüftungsschächte inklusive.

Die Handlung ist, wie es sich für einen ordentlichen Thriller gehört, komplex und unvorhersehbar: Während einer Vernissage im neuen Museum wird der gefeierte Künstler vor den Augen der Museumsbesucher von einem geheimnisvollen Phantom ermordet. Tot sinkt er in die Arme des Festredners - eines pfiffigen Nachwuchsautors, der sich daraufhin gemeinsam mit dem ermittelnden Kommissar und dessen charmanter Tochter auf die Suche nach Mörder und Motiv macht. Das Museum wird verriegelt, und Akteure wie Zuschauer durchkämmen gemeinsam das Gebäude. Unterwegs stoßen sie auf okkulte Rituale, auf finstere Familiengeheimnisse und immer wieder auf die vermummte Gestalt "Belfeghùrs", eines martialischen Kriegerdämons der Streitaxtkultur, dessen Statue angeblich bei den Aushubarbeiten zum Neubau im Münsterschen Erdreich entdeckt wurde.

Stellt sich die Frage: Wurde die archaische Gottheit aus ihrem jahrtausendealten Schlaf geweckt und treibt nun als mordlüsternes Phantom ihr Unwesen? Oder stecken viel diesseitigere Machenschaften und Komplotte hinter alledem?

Nach zwei Stunden, drei Toten und zahlreichen falschen Fährten ist der Fall gelöst. Friede kehrt wieder ein in das architektonische Juwel am Domplatz. Aber ist der wahre Täter auch dingfest gemacht - oder spukt er weiter durch das Gebäude?

In der Inszenierung von Zeha Schröder spielt Publikumsliebling Helge "Robinson" Salnikau den Jungschriftsteller André Caspari, der zwischen der sympathischen Nico (Anke Winterhoff) und der mysteriösen Femme fatal Laura (Gabriele Brüning) auch privat in ungewisse Gefilde gerät. Als Kommissar Meinhardt ermittelt "Bühnenboden"-Leiter Konrad Haller, der mit seiner bärbeißigen Art und seinem kriminalistischen Spürsinn sowohl der schrillen Künstlerdiva "Gräfin Hedwig" (Kascha B) als auch dem dubiosen Burschenschaftler Willem (Johan Schüling) das Leben schwer macht.